„Mitten ins Erinnerungsland hinein“
Mitten auf den Gottesschoß gesetzt
Kurt E. Becker im Gespräch mit Lou Andreas-Salomé
Das Gespräch findet sich in „Der behauste Mensch“, Patmos Verlag 2021
Fliegen durch Räume ohne Grenzen
Kurt E. Becker im Gespräch mit Ernst Barlach
Das Gespräch findet sich in „Der behauste Mensch“, Patmos Verlag 2021
Eine unschätzbare Perle
Kurt E. Becker im Gespräch mit Annette von Droste-Hülshoff
Das Gespräch findet sich in „Der behauste Mensch“, Patmos Verlag 2021
Noch mehr!
Kurt E. Becker im Gespräch mit Johann Wolfgang von Goethe
Das Gespräch findet sich in „OIKOS 1“, Lindemanns Bibliothek 2026.

Die gute alte Märchenzeit
Kurt E. Becker im Gespräch mit Heinrich Heine
Das Gespräch findet sich in „OIKOS 1“, Lindemanns Bibliothek 2026.

Es hat viel für sich, in einer kleinen Straße geboren worden zu sein
Kurt E. Becker im Gespräch mit Emmy Hennings
Das Gespräch findet sich in „Der behauste Mensch“, Patmos Verlag 2021
Es ging das Gerücht, dass sie sich mit Literatur beschäftigten
Kurt E. Becker im Gespräch mit Klaus Mann
KEB: Herr Mann, lassen Sie uns über Ihre Vorfahren und deren Heimatstadt miteinander sprechen, bitte.
Mann: Eine würdig-idyllische Kleinstadt mit engen Gassen und grauen, giebeligen Häusern: Beginnt hier die Geschichte? Ich habe nichts mit dieser Stadt zu tun, noch verlangt es mich, sie jemals zu besuchen. Doch würde ich nicht existieren ohne einen gewissen Senator Heinrich Mann, hochrespektablen Bürger der Freien Hansestadt Lübeck, aber eben doch nicht mehr völlig hochrespektabel, schon ein wenig exzentrisch. Ein Lübecker Patrizier, der wirklich zur Gänze comme il faut ist, sucht sich seine Lebensgefährtin unter den Töchtern der Stadt und wählt nicht eine junge Dame aus dem fernen Brasilien, wie der Senator es tat. Sie war das Kind eines deutschen Kaufmanns und einer Eingeborenen. Dass sie als kleines Mädchen den Ozean auf einem Segelschiff überqueren musste, um nach Lübeck zu gelangen, schien mir das aufregendste Detail ihrer Geschichte. Denn dort, in der nördlichen Fremde, genoss sie eine durchaus „feine“ bedauerlich unromantische Erziehung und bewegte sich bald ganz natürlich unter den blonden Gespielinnen. Doch blieb es reizend, sich den Großpapa vorzustellen – den ich übrigens in Wirklichkeit nie gesehen hatte –, wie er mit seiner exotischen Braut zur Kirche fuhr. Der Senator, sehr stattlich und distinguiert, mit Backenbart, hohem Stehkragen, lehnt, ein wenig befangen, im Fond der prächtigen Kutsche, den er mit ihr teilt. Sie, das dunkle Köpfchen an ihn geschmiegt, darf hinter geschlossenen Lidern noch einmal die Palmen und bunten Vögel ihrer brasilianischen Heimat sehen, während der Wagen, vorbei an viel altem Gemäuer und majestätisch ragenden Türmen, den Weg zum Altar nimmt.
KEB: Ein Wort zum berühmten Haus der Manns in Lübeck und dem Behaustsein Ihrer Familie dort, von Ihrem Vater in den Buddenbrocks mit literarischem Ewigkeitswert versehen.
Mann: Das Mannsche Haus gehörte zu den feinsten der Stadt. Man speiste vorzüglich dort, auch die Weine ließen nichts zu wünschen übrig. Die Familie erfreute sich allgemeiner Beliebtheit, obwohl sie letzthin soviel Pech gehabt hatte, dass es beinahe anstößig wirkte. Die Schwester des Senators, Elisabeth, ließ sich von ihrem süddeutschen Gatten scheiden und kam auch mit ihrem zweiten Gemahl nicht aus; noch problematischer stand es um einen Bruder, meinen Großonkel Friedel, einen neurotischen Tunichtgut, der sich in der Welt herumtrieb und über eingebildete Krankheiten klagte. Was aber die schöne Frau Senator betraf, so ließ sich nicht leugnen, dass sie unter den Damen der bourgeoisen Aristokratie oft ein wenig fehl am Platze wirkte. Nicht als ob an ihrem Lebenswandel etwas auszusetzen gewesen wäre! Man fand sie nur ein bisschen zu „originell“. Es lag wohl an der exotischen Herkunft. In Lübeck passte es sich nicht, so dunkle Augen zu haben wie Frau Julia Mann; Schmelz und Feuer ihres Blickes hatten schon den Stich ins Skandalöse. Sie spielte Klavier, gerade ein wenig zu gut für eine Dame in ihrer Stellung, und sang fremdländische Lieder, die lieblich, aber auch verfänglich klangen: nur gut, dass man den Text nicht verstand …
KEB: Ein Wort noch zu Ihrem Vater und dessen Bruder, vielleicht.
Mann: Die beiden Söhne, Heinrich und Thomas, wären gewiss viel lustiger und strammer geworden, hätten sie eine Mama von gutem nordischen Schlage gehabt, anstelle der übertrieben pikanten Brasilianerin. Mit den beiden Jungen war nicht viel Staat zu machen; in der Schule fielen sie durch Aufsässigkeit und Faulheit auf, was verzeihlich gewesen wäre, wenn sie sich wenigstens sportlich hervorgetan hätten. Gerade auf diesem Gebiet aber waren sie komplette Versager. Es ging das Gerücht, dass sie sich mit Literatur beschäftigten. Der Herr Senator konnte einem leidtun! Kein Wunder, dass er so oft nervös und deprimiert erschien.
KEB: Ein herzliches Dankeschön, lieber Herr Mann, für diesen Einblick in die Geschichte Ihrer Familie. Ihr Vater hatte es ja immerhin zu einem Nobelpreis für Literatur gebracht …
Kleine weltvergessene Stadt
Kurt E. Becker im Gespräch mit Charlotte Niese
Das Gespräch findet sich in „Der behauste Mensch“, Patmos Verlag 2021
Ein Tag glich dem andern
Kurt E. Becker im Gespräch mit Wanda von Sacher-Masoch
Das Gespräch findet sich in „Der behauste Mensch“, Patmos Verlag 2021
Das erste Goetheanum ein Doppelkuppelbau
Kurt E. Becker im Gespräch mit Marie Steiner
Das Gespräch findet sich in „Der behauste Mensch“, Patmos Verlag 2021
Ein ganzes Wald- und Mühlenidyll
Kurt E. Becker im Gespräch mit Theodor Storm
Das Gespräch findet sich in „Der behauste Mensch“, Patmos Verlag 2021



